Affinity 2025: Eine Plattform, drei Apps – funktioniert der neue Unified-Workflow wirklich?

Seit Jahren fragen Designer nach einer ernstzunehmenden Alternative zum Adobe-Ökosystem – nicht nur günstiger, sondern auch professionell einsetzbar im echten Arbeitsalltag. Die Affinity-Suite bewegt sich schon länger in diese Richtung, doch mit der neuesten Generation von Affinity hat Serif einen entscheidenden Schritt gemacht.

Affinity Designer, Affinity Photo und Affinity Publisher sind heute keine isolierten Einzelprogramme mehr. Stattdessen arbeiten sie als verbundenes Ökosystem, das es ermöglicht, Vektorgrafiken, Bildbearbeitung und Layout innerhalb eines einzigen Workflows zu kombinieren.

Die zentrale Frage lautet:

Funktioniert das wirklich in der Praxis?
Und noch wichtiger: Ist Affinity inzwischen bereit, Adobe bei professionellen Print-Projekten zu ersetzen?

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, genau das zu testen – nicht theoretisch, sondern anhand eines echten Projekts: ein Roll-up-Banner und ein A5-Flyer, druckfertig, mit echten Anforderungen und Deadline. Hier sind meine ehrlichen Eindrücke.

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Die neue Affinity-Philosophie: Drei Tools, ein Workflow

Wichtig vorab: Affinity hat nicht alles in eine überladene All-in-One-App gepackt.
Stattdessen wurde ein System geschaffen, bei dem drei spezialisierte Anwendungen nahtlos zusammenarbeiten:

  • Affinity Designer für Vektorgrafiken und Illustration

  • Affinity Photo für Bildbearbeitung

  • Affinity Publisher für Layout, Satz und Print

Das Herzstück dieses Systems ist StudioLink – damit lassen sich Designer- und Photo-Funktionen direkt innerhalb von Publisher nutzen, ohne Dateien zu exportieren oder zu wechseln.

In der Praxis bedeutet das:

  • Vektoren können direkt im Layout bearbeitet werden

  • Bilder lassen sich ohne Programmwechsel retuschieren

  • Alles bleibt live, editierbar und flexibel

Das Konzept ist stark. Die Umsetzung? Zum großen Teil sehr gelungen – mit kleinen Einschränkungen.


Praxistest: Roll-up-Banner und A5-Flyer

Dies war kein Demo-Projekt oder Tutorial, sondern echte Print-Produktion.
Ein Roll-up muss aus der Distanz funktionieren, ein Flyer aus nächster Nähe – beides stellt hohe Anforderungen an Typografie, Export und Druckdaten.

Eingesetzter Workflow

  • Dokumentanlage in Affinity Designer

  • Layout- und Typografie-Feinschliff

  • Export als druckfertige PDF

  • Umwandlung von Text in Kurven und finale Checks

Das Positive zuerst

Affinity Designer hat durchgehend zuverlässig gearbeitet.

  • Präzise Layout-Werkzeuge

  • Sehr gute Typografie-Kontrolle

  • Sauberes Ausrichten und Snapping

  • Schnelle und stabile Performance

Für die eigentliche Gestaltung ist Affinity absolut professionell einsetzbar.


Wo es knifflig wird: Text in Kurven & Export

Hier zeigt Affinity noch Verbesserungspotenzial.

Beim Umwandeln von Text in Kurven (eine gängige Anforderung für den Druck) traten gelegentlich auf:

  • Kleine visuelle Abweichungen

  • Unerwartetes Verhalten von Konturen

  • Export-Probleme, wenn bestimmte Elemente nicht manuell gerastert wurden

Das sind keine Alltagsprobleme, aber sie treten in speziellen Fällen auf – besonders bei:

  • Komplexen Schriften

  • Effekten

  • Anspruchsvollen Druckvorgaben

Hier ist Adobe Illustrator aktuell noch etwas vorhersehbarer. Allerdings: Die Probleme sind lösbar, wenn man weiß, worauf man achten muss.


Export & PDF-Erstellung: Affinitys große Stärke

Der Export ist ein Bereich, in dem Affinity wirklich glänzt.

Affinity bietet:

  • Sehr detaillierte PDF-Einstellungen

  • Volle Kontrolle über Rasterung

  • ICC-Profile und Farbmanagement

  • PDF/X-Standards

  • Schrift-Einbettung

  • Beschnitt, Marken und Komprimierung

Das Ergebnis:
Deutlich kleinere PDFs bei gleicher Qualität.

Das ist ein großer Vorteil für:

  • Versand per E-Mail

  • Kundenfreigaben

  • Archivierung

  • Großformat-Druck

Hier merkt man, dass Affinity auf Effizienz und Kontrolle ausgelegt ist.


Vergleich zu früheren Affinity-Versionen

Früher fühlten sich die Affinity-Programme wie gute Einzeltools an, die aber nicht ganz zusammengehörten.

Heute:

  • Der Wechsel zwischen Funktionen ist flüssig

  • Man bleibt gedanklich im Projekt

  • Das richtige Werkzeug ist immer griffbereit

Die Lernkurve ist anfangs etwas steiler, vor allem für Nutzer klassischer Adobe-Workflows. Aber sobald es klickt, arbeitet man sehr effizient.

Ein Wunsch bleibt:
Einige Bildbearbeitungsfunktionen könnten in Designer schneller erreichbar sein. Da alles Teil desselben Systems ist, wirkt manches noch unnötig getrennt.


Die Canva-Frage

Die Zusammenarbeit von Affinity mit Canva wurde kritisch gesehen – verständlich.

In der Praxis zeigt sich jedoch:

  • Canva bringt Reichweite und Zugänglichkeit

  • Affinity bleibt ein professionelles Werkzeug

  • Die Kernfunktionen sind nicht verwässert

Wenn man nicht stark auf KI-Automatismen angewiesen ist, bietet Affinity alles, was man für ernsthafte Designarbeit braucht.

Adobe-KI kann helfen – aber sie ersetzt kein Verständnis für Gestaltung.
Am Ende entscheidet immer noch der Designer, nicht das Tool.


Performance, Stabilität & Dateigröße

Affinity fühlt sich an:

  • Schnell

  • Reaktionsfreudig

  • Leichtgewichtig

Keine Abo-Abhängigkeit, keine Cloud-Zwangspausen, keine Lizenzüberraschungen.
Dateien bleiben sauber, portabel und kontrollierbar.


Für wen ist Affinity ideal?

Affinity eignet sich besonders für:

  • Print- und Digitaldesigner

  • Freelancer und Studios

  • Nutzer, die Eigentum statt Abo wollen

  • Designer mit Fokus auf Export-Qualität

  • Kreative ohne starke KI-Abhängigkeit

Weniger geeignet ist es aktuell für:

  • Große Agentur-Pipelines

  • Stark KI-getriebene Workflows

  • Motion-Design-lastige Produktionen


Verbesserungsvorschläge

Affinity ist nah an „sehr gut“, könnte aber noch gewinnen durch:

  1. Stabilere Text-zu-Kurven-Umwandlung

  2. Klarere Hinweise beim Export

  3. Schnelleren Zugriff auf Bildbearbeitung in Designer

  4. Besseres Preflight-Feedback für Druck

  5. Noch klareres Onboarding für neue Nutzer

Alles davon sind keine Showstopper, aber wichtige Feinjustierungen.


Fazit: Hat sich der Umstieg gelohnt?

Ja.

Das Roll-up und der Flyer wurden professionell, termingerecht und ohne Qualitätsverlust umgesetzt.
Die Export-Kontrolle, die Dateigröße und der Workflow haben überzeugt.

Affinity ist nicht perfekt – aber es ist ehrliche Software für echte Designer.

Und genau das haben wir lange gebraucht.

Über Creativa Forge

Bei Creativa Forge arbeiten wir täglich mit modernen Design-Tools – nicht theoretisch, sondern in echten Produktionsumgebungen. Von druckfertigen Materialien wie Roll-ups und Flyern bis hin zu Web-, Branding- und UI/UX-Projekten liegt unser Fokus immer auf funktionalem, sauberem Design.

Wir testen Werkzeuge in realen Projekten – nicht im Marketing-Kontext. Genau deshalb hat Affinity seinen festen Platz in unserem Workflow gefunden.

👉 Kontakt:
https://creativaforge.com/contact


Affinity selbst testen

Weitere Informationen zu Affinity und der gesamten Suite findest du hier:
https://affinity.serif.com